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Standort: Heiligenblut (Kärnten)

Planung: 2017–2019

Umsetzung: 2018–2019

Mitarbeiter: Florian Juri, Gerhild Goldberger, Pascale Jung, Daniela Schrittwieser, Klaus Mösslacher

www.hausdersteinboecke.at

Handskizze Handskizze

Seit der Errichtung der Parkgarage im Jahr 1993 stand fest, dass die oberste Geschoßdecke dieses Bauwerks als Plattform für eine bauliche Anlage mit wichtiger Funktion und öffentlichem Charakter dienen sollte. 

Im Jahr 1998 wurde ein geladener Architektenwettbewerb für die Errichtung eines Mehrzweckgebäudes mit Feuerwehr samt Garagen und Arztpraxis ausgeschrieben, welchen wir als Architekten gewinnen konnten. Aufgrund nachfolgender Überlegungen, ein Bestandsgebäude als Feuerwehrgarage zu nutzen, wurde das Projekt jedoch nicht realisiert. Seit dem Jahr 2000 gab es sodann eine Vielzahl an Initiativen, die Baulücke am Ortseingang mit einem Projekt zu schließen.

Seit 2009 wurden vonseiten des Nationalparks und der Gemeinde Heiligenblut Bemühungen unternommen, ein „Welcome-Center“ bzw. ein „Haus der Steinböcke“ zu entwickeln. Zwischen den Jahren 2010 und 2015 wurden mehrere Entwurfskonzepte erarbeitet. Diese Projektentwürfe entsprachen jedoch hinsichtlich Architektur und Baukultur nicht der Intention der Gemeinde und auch nicht der fachlichen Raumordnung Kärntens. Schließlich entschieden sich die Vertreter der Gemeinde Heiligenblut dazu, uns als Wettbewerbssieger des seinerzeitigen Wettbewerbes mit der Entwicklung dieses Projektes zu beauftragen. Im Jänner 2017 wurden schließlich die Architekten gemeinsam mit dem Ausstellungsplaner Andreas Zangl damit betraut, ein multi-funktionales Gebäude zu planen. Die darin gezeigte Ausstellung soll das Leben des in den Hohen Tauern erfolgreich wieder eingesetzten Steinbockes zeigen. 

Eine der wichtigsten Grundintentionen des Projektes ist die Bewältigung zweier an sich gegensätzlicher Gedanken: nämlich der behutsamen Einfügung des Projektes in das Gefüge des Ortsbildes einerseits sowie der notwendigen Signalwirkung bzw. einem angemessenen Auftritt des Gebäudes nach außen andererseits. Dies wird sowohl durch die im Osten niedrig beginnende und sukzessive ansteigende Bebauung in Richtung Westen zum „Rupertihaus“ hin erreicht als auch durch die transparente und daher einladende Gesamterscheinung durch das Zusammenwirken einer schlichten zeitgemäßen Holzarchitektur mit einem Maximum an möglicher Transparenz. Das Gebäude bleibt daher im süd-östlichen Bereich ebenerdig, um den Blick für den ankommenden Gast zur Kirche so lang wie möglich zu bewahren.

  • © Hannes Pacheiner

  • © Hannes Pacheiner

  • © Hannes Pacheiner

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Die Nordansicht zeigt, wie das Gebäude sukzessive zum westseitigen Bestandsgebäude hin ansteigt.
Ostansicht und Südansicht mit dem bestehenden sechsgeschoßigen 
Garagengebäude

Um ein einladendes Entree zu erhalten, ist das Gebäude zudem allseitig durch einen geschützten „Arkadengang“ mit Rundsäulen aus Lärchenholz begrenzt. Zusätzlich wird durch eine quer durch das Gebäude laufende Innenpassage die Anbindung von der Terrasse zum Ort hin verkürzt. Von einem zentralen Foyer mit Infopoint bzw. Rezeption sind alle Bereiche auf kurzen Wegen zu erreichen. In der begrenzt vorhandenen Grundrissfläche waren eine Fülle von Funktionen unterzubringen.

Wichtigste funktionale Grundidee dieses Projektes ist das Zusammenspiel von Foyer, Verwaltung mit Information, Shop, Café/Restaurant sowie Abgang zur Ausstellung auf überschaubarer, kompakter Anordnung, sodass dieses Gebäude vor allem in der Zwischensaison mit einem minimalen Personalaufwand betrieben werden kann. 

An der Infostelle vorbeigehend, erreicht man über eine treppen-/rampenartige Ausbildung die Ausstellung „Haus der Steinböcke“, welche im ersten Untergeschoß beginnt. Durch diese Konstellation ist es möglich, im Erdgeschoß eine innenliegende Passage quer durch das Haus zu führen, ohne dass die Funktionsräume durchschnitten werden. Die Grundidee der Ausstellung ist ein über drei Geschoße nach oben offener Raum mit einer gewaltigen Felswand, welche von den Steinböcken erklettert wird. Das gesamte Bauwerk wurde mit Ausnahme des Ausstellungsraumes in reiner Holzbauweise errichtet. Das dreigeschoßige Haus der Steinböcke wurde hingegen als zweischalige Sichtbetonwand mit Kerndämmung ausgeführt und stellt — einen Felskopf symbolisierend — einen bewussten Gegensatz zum Holzbau dar.

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